Gutes Beispiel: Baumpflanzungen in der Stadt Bad Langensalza

Beispiel für Handlungsempfehlungen: Umweltbildung für die Bevölkerung, Qualifizierung, Vergrößerung und Vernetzung von Grünflächen

Das öffentliche Bewusstsein für ökologische Themen sollte vor allem in Bezug auf die eigene Umwelt  geschaffen werden. Kinder wie Erwachsene werden so für die Folgen des Klimawandels in der eigenen Umgebung sensibilisiert und motiviert, aktiv Maßnahmen für Klimaschutz sowie Initiativen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels vor Ort mitzugestalten und zu unterstützen.  Neben dem ökologischen greift dabei auch der soziale Aspekt, vor allem wenn Projekte gemeinsam mit Familie, Freunden oder Nachbarn umgesetzt werden.

Eine Möglichkeit der Realisierung stellen dabei Pflanz- und Pflegepatenschaften des kommunalen Grüns dar, wie sie seit 1999 in Bad Langensalza erfolgreich praktiziert werden und inzwischen zu einer bekannten, lokalen Tradition geworden sind. Durch die Patenschaften kommen die Bürgerschaft und Kommunalverwaltung zusammen, es werden Bewusstsein und Wissen für Klimaökologie generiert und – nicht zuletzt – der Baumbestand der Stadt sukzessive aufgewertet und erweitert.

Das Baumpflanz-Programm der Stadt Bad Langensalza entstand in Zusammenarbeit mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) als Reaktion auf die im Rahmen der UN-Klimakonferenz 1992 in Rio de Janeiro formulierten Ziele der Agenda 21, einer Absichtserklärung über die Nachhaltigkeitsziele für das 21. Jahrhundert.

„Es bedarf eines sofortigen und entschlossenen Handelns, um Gene, Arten und Ökosysteme im Sinne einer umweltverträglichen und nachhaltigen Bewirtschaftung und Nutzung der biologischen Ressourcen zu erhalten und zu bewahren. […]Die Beteiligung und Mithilfe der ortsansässigen Gemeinschaften sind unverzichtbare Voraussetzungen für den Erfolg eines derartigen Ansatzes.“

Agenda 21 (1992), Kapitel 15

„Sowohl die formale als auch die nichtformale Bildung sind unabdingbare Voraussetzungen für die Herbeiführung eines Bewusstseinswandels bei den Menschen, damit sie in der Lage sind, ihre Anliegen in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung abzuschätzen und anzugehen. Sie sind auch von entscheidender Bedeutung für die Schaffung eines ökologischen und eines ethischen Bewußtseins sowie von Werten und Einstellungen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die mit einer nachhaltigen Entwicklung vereinbar sind, sowie für eine wirksame Beteiligung der Öffentlichkeit an der Entscheidungsfindung.“

Agenda 21 (1992), Kapitel 36

Seit 1999, finden regelmäßig Baumpflanzaktionen in Bad Langensalza statt. Über den Zeitraum von nunmehr 20 Jahren hat sich das Projekt etabliert und ist zu einer lokalen Tradition geworden.

Interessierte, engagierte BürgerInnen können sich auf der Webseite der Stadt Bad Langensalza über das Projekt informieren.

Bei Interesse kann hier ein Patenschaftsvertrag geschlossen werden, zu dessen Abschluss gemeinsam mit der Stadt eine passende Baumart und ein Ort sowie der Pflanzungstermin abgestimmt werden. Die Spendenhöhe kann festgelegt und es kann einmalig oder jährlich gespendet werden (siehe Abbildung 1). Anschließend erhalten die Baumpaten eine Urkunde (Beispiel in Abbildung 2) und werden auf der Webseite der Stadt mit einem Foto gewürdigt (Abbildungen 3 und 4).

Die Baumpflanzungen seit 2014 sind auf der Webseite abrufbar – hier sind die bisherigen Baumspenden mit Datum, Anlass und i.d.R. mit einem Foto aufgeführt. Viele SpenderInnen, die in Bad Langensalza ansässig sind, kümmern sich auch nach der Pflanzung um ihre Bäume (beispielsweise durch Gießen im Sommer). Wo dies nicht möglich ist, wird die Pflege durch die Stadt gewährleistet: Die Kosten werden in diesem Fall durch die Stadt getragen oder durch jährliche Spenden unterstützt.

Abb. 1: Patenschaftsvertrag für einen Streuobstwiesenbaum im Rahmen der Initiative der Stadt Bad Langensalza und der Anni-Berger-Stiftung

Abb. 1: Patenschaftsvertrag für einen Streuobstwiesenbaum im Rahmen der Initiative der Stadt Bad Langensalza und der Anni-Berger-Stiftung

(Bildquelle: Stadt Bad Langensalza)
Abb. 2: Beispiel für eine Patenschaftsurkunde, ausgestellt durch den Bürgermeister der Stadt Bad Langensalza

Abb. 2: Beispiel für eine Patenschaftsurkunde, ausgestellt durch den Bürgermeister der Stadt Bad Langensalza

(Bildquelle: Stadt Bad Langensalza)

Aktuell findet eine Erweiterung des Projekts hinsichtlich der Pflanzungen auf Streuobstwiesen statt. Die Stadt Bad Langensalza in Kooperation mit der Anni-Berger-Stiftung informiert über die Bedeutung der Streuobstwiesen und richtet sich damit aktiv an die Bewohnerschaft mit dem Angebot, die Patenschaft für einen neugepflanzten Baum zu übernehmen:

„Mensch – Natur und Artenschutz - Pflanze Deinen Familienbaum

Eine Initiative der Anni- Berger-Stiftung und der Stadt Bad Langensalza

Liebe Einwohner der Stadt Bad Langensalza,

Streuobstwiesen bilden einen wichtigen Bestandteil unserer Kulturlandschaft und stellen langfristig einen Genpool für die Sortenvielfalt unserer Obstbaumbestände dar. Ihre Vielfalt ist außergewöhnlich und immer wieder faszinierend. Ebenso die Verarbeitungsmöglichkeiten. Von Tafelobst, Most und Saft, Konfitüre, Einweck- und Dürrobst bis Obstgeist ist alles möglich. Außerdem sind sie Lebensraum und einer der letzten Rückzugsmöglichkeiten für viele Pflanzen und Tiere in unserer industrialisierten Landwirtschaft.

Seit mehreren Jahren pflanzen wir in verschieden Streuobstwiesen nach. Im Moment gleichen wir aber nur die altersbedingten Ausfälle aus. Für eine weitere Bereicherung sind daher Neupflanzungen zur Ergänzung der Pflanzlücken erforderlich.  Wir würden uns daher sehr freuen, wenn wir Sie für eine Patenschaft gewinnen könnten. Diese kann für eine Neupflanzung, aber auch für einen Altbaum übernommen werden. Die Selbstkosten für eine Neupflanzung liegen bei 95,00 €/Stk. und für die Erhaltungspflege bei 35,00 €/Jahr. Vorgesehen ist hier auch die Anbringung des Sortenschildes mit dem gleichzeitigen Vermerk des Pflanzjahres, der Pflückreife und der Genussreife. Neupflanzungen können ab Anfang November vorgenommen werden. Die Koordinierung der Sortenwahl erfolgt durch die Anni-Berger-Stiftung. Natürlich können Sie auch eigene regionale Sorten empfehlen. Die Vorbereitungs- und Nebenarbeiten (Herstellung des Pflanzloches, Wühlmausdraht, Einschlagung des Baumpfahles, Baumbindung, Anbringung der Wildverbissmanschette) erfolgt durch die Stadtverwaltung. Natürlich können Sie auf Wunsch alle Arbeiten auch selber durchführen.

Interessierte können sich bei dem Fachbereich IV der Stadtverwaltung Bad Langensalza (Tel. 03603 891368)
oder per Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! melden.

Der Patenschaftsvertrag wird mit der Anni – Berger – Stiftung geschlossen. Sie erhalten ebenfalls eine Spendenquittung.“

An der Aktion beteiligen sich bspw. Familien, regionale Firmen und Vereine. Oft werden Bäume als Erinnerung an ein bestimmtes Ereignis gepflanzt: zum Geburtstag, zum Hochzeitstag, in Gedenken an Menschen, zum Jubiläum der Firma oder des Vereins,  als Spende einer Schulklasse oder eines Kindergartens, oder auch ohne besonderen Anlass als Baumspende. Die Auflistung der Pflanzungen auf der Webseite fördert die Außenwirkung, da die Übersicht zeigt, dass das Projekt einerseits Anklang findet, und andererseits zu weiteren Baumspenden motivieren kann.

Abb. 3: Baumpflanzung einer Süßkirschsorte "Knauffs Schwarze" am 6. April 2019 durch die Familien Weigel und Zimmermann (Bildquelle: Stadt Bad Langensalza)

Abb. 3: Baumpflanzung einer Süßkirschsorte "Knauffs Schwarze" am 6. April 2019 durch die Familien Weigel und Zimmermann

(Bildquelle: Stadt Bad Langensalza)
Abb. 4: Baumpflanzung einer Säulen-Hainbuche in der Parkanlage Jahnstraße am 9. April 2019 anlässlich des 80. Geburtstags von Herrn Günther Augener

Abb. 4: Baumpflanzung einer Säulen-Hainbuche in der Parkanlage Jahnstraße am 9. April 2019 anlässlich des 80. Geburtstags von Herrn Günther Augener

(Bildquelle: Stadt Bad Langensalza)

Zusätzlich zu den stadteigenen Pflanzungen wurden durch das Patenschaftsprojekt mittlerweile 520 Bäume gepflanzt. In den letzten Jahren handelte es sich um ca. 60 – 80 Pflanzungen pro Jahr. Dabei fällt Ingo Günther vom Fachbereich IV Gartenbau auch das gestiegene Interesse an der klimatischen Eignung und somit der Zukunftstauglichkeit der gepflanzten Bäume auf:

„Bevorzugt werden Klimabäume gepflanzt (ca. 98 %). Dies ist den extremen Wetterbedingungen in den letzten Jahren und dem Schaderregerdruck (Verticillium, Rußrindenkrankheit, Pseodomonas syringae pv. aesculi u.a.)  geschuldet. Hier muss man sich allen Faktoren stellen.“

Auch das neue Streuobstwiesenprojekt wurde bereits mit den ersten 10 Bäumen ins Laufen gebracht und die nächsten Pflanztermine festgelegt.

Die Baumpatenschaften wirken in die Öffentlichkeit und unterstützen die Stadt Bad Langensalza beim Erhalt und der Entwicklung des städtischen Grüns. Durch die Initiative werden die Menschen einerseits für die Bedeutung des Stadtgrüns in ihrer lokalen Umgebung sensibilisiert und andererseits hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels und der Eigenschaften verschiedener Baumarten sowie deren Ansprüche informiert. Da viele Patenschaften als Geschenk geschlossen werden, beinhaltet das Patenschaftsprogramm darüber hinaus eine soziale Komponente. Die ermöglicht ein gemeinsames Erlebnis, an das der wachsende Baum und die Würdigung auf der Webseite der Stadt noch lange Zeit erinnern.

weiterführende Informationen

IMPAKT

Integriertes Maßnahmenprogramm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Freistaat Thüringen - IMPAKT

 

KlimaInvest

Klima Invest - Kommunale Klimaschutz- und Klimafolgenanpassungsmaßnahmen

Thüringer Klimaagentur

Fachreferat des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz