Gutes Beispiel: Mehrfamilienhaus mit Sonnenschutzverglasung in Weimar

Beispiel für Handlungsmöglichkeit: Beschattungselemente zur Gebäudekühlung

Beschattungselemente an Gebäuden vermindern effektiv den Wärmeeintrag ins Gebäude. Neben außenliegenden und innen angebrachten Verschattungselementen wie Bäumen, Sonnensegeln oder Jalousien, hilft auch eine Sonnenschutzverglasung als langfristiges und stabiles Element der Gebäudeausstattung, das Aufheizen der Raumluft im Gebäude zu vermindern. Das Ziel bei der Konstruktion von Sonnenschutzglas ist es, möglichst wenig thermische Strahlung durchzulassen, während gleichzeitig die Durchlässigkeit für sichtbares Licht möglichst wenig behindert werden soll.

Durch die Spezialverglasung kann Wärmestrahlung absorbiert werden. Dadurch wird die Innenraumtemperatur gesenkt und die Lebens- bzw. Aufenthaltsqualität im Gebäude verbessert. Das Hauptmerkmal bei Sonnenschutzverglasung ist der g-Wert, welcher zwischen 0 und 1 liegt. Je geringer er ist, umso kleiner ist der Anteil der Gesamtenergiedurchlässigkeit. Die Durchlässigkeit des darunter fallenden sichtbaren Lichts wird als TL bezeichnet und ebenfalls zwischen 0 und 1 angegeben. Bei der Auswahl von Sonnenschutzglas kann auf den Selektivitätswert geachtet werden: derzeit werden Werte für S = TL/g  von bis zu 2 erreicht. Der U-Wert ist der Wärmedurchgangskoeffizient und gibt die Energie in Watt an, welche pro Kelvin und Quadratmeter durchgeht – der Wert sollte möglichst gering sein und nach der Energieeinsparverordnung nicht mehr als 1,3 W/m²K betragen (vgl. Abbildung 3).

Abb. 1: Außenansicht des fertiggestellten Mehrfamilienhauses mit Sonnenschutzverglasung

Abb. 1: Außenansicht des fertiggestellten Mehrfamilienhauses mit Sonnenschutzverglasung

(Bildquelle: Bleicher Grafikdesign)
Abb. 2: Außenfassade des Baus mit Sonnenschutzfenstern und Holzrahmenbau

Abb. 2: Außenfassade des Baus mit Sonnenschutzfenstern und Holzrahmenbau

(Bildquelle: KOOP Architekten und Ingenieure)

Die einstige dreigeschossige Jugendstilvilla in der Wilhelm-Külz-Straße in Weimar wurde am Ende des 2. Weltkriegs 1945 zerstört. Seitdem blieb das Grundstück lange Zeit unbebaut. Das Weimarer Büro „KOOP Architekten und Ingenieure“ erhielt den Auftrag von  Jutta Grünewald und Tom Bestgen (UTB Projektmanagement GmbH), ein neues viergeschossiges Mehrfamilienhaus in Massivholzbauweise auf dem Grundstück zu bauen, das modernen Anforderungen nach Energieeffizienz entspricht und sich gestalterisch in die Umgebung einfügt. Das Objekt wurde zwischen Oktober 2016 und Dezember 2017 erbaut (Abbildung 1).

Grundsätzlich wurde bei dem Gebäude auf eine energieeffiziente Bauweise geachtet und auf Energieversorgung auf der Grundlage fossiler Energieträger verzichtet. Vorrangig wurden umweltfreundliche Materialien verwendet: neben Massivholzbau und Holzrahmenbau (Abbildung 2) kamen Holzweichfaserdämmung und Holzfenster zum Einsatz. Außerdem wurde beim Innenanstrich auf ökologische und gesundheitliche Aspekte geachtet sowie eine Pelletheizung zur Wärmeerzeugung installiert.

Insgesamt wurden 174 m² Sonnenschutzglas in 59 Fenstern im Objekt eingesetzt, die Vorgaben sind der Abbildung 3 zu entnehmen. Gegenüber Fenstern ohne spezielle Sonnenschutzverglasung waren die Kosten um durchschnittlich 20 €/m² höher.

Abb. 3: Ausgeschriebene Vorgaben für die Werte des Sonnenschutzglases.

Abb. 3: Ausgeschriebene Vorgaben für die Werte des Sonnenschutzglases

(Datenquelle: KOOP Architekten und Ingenieure, Bildquelle: Alexandra Nozik/ThINK)

Im gesamten Gebäude sind Fenster mit Sonnenschutzglas eingebaut worden (Abbildung 4). Dazu Stephanie Backhaus, Dipl.-Ing. Architektin:

„Die Sonnenschutzverglasung war zum sommerlichen Wärmeschutz erforderlich. Die Fensterflächen sind sehr groß. Die größten Fenster sind entsprechend dem Standort des Gebäudes nach Westen und Osten ausgerichtet. Die kleineren, untergeordneten Fenster nach Süden und Norden. Zusätzlich zur besonderen Verglasung wurde an einigen Fenstern eine innenliegende Verschattung (Vorhänge mit bestimmten Eigenschaften) für den sommerlichen Wärmeschutz mit herangezogen. Die Sonnenschutzverglasung wurde bereits bei mehreren, z.T. auch großen Bauprojekten/Wohnanlagen, gewünscht.“

Abb. 4: Zwei Fenster mit Sonnenschutzverglasung aus dem Mehrfamilienhaus nach der Fertigstellung

Abb. 4: Zwei Fenster mit Sonnenschutzverglasung aus dem Mehrfamilienhaus nach der Fertigstellung

(Bildquelle: Bleicher Grafikdesign) und Ingenieure, Bildquelle: Alexandra Nozik/ThINK)

weiterführende Informationen

IMPAKT

Integriertes Maßnahmenprogramm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Freistaat Thüringen - IMPAKT

 

KlimaInvest

Klima Invest - Kommunale Klimaschutz- und Klimafolgenanpassungsmaßnahmen

Thüringer Klimaagentur

Fachreferat des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz