Entsiegelung

Im Siedlungsraum werden Natur und Landschaft gravierend umgestaltet, verbunden mit großflächiger Versiegelung der natürlichen Geländeoberfläche und des Bodens. Der Begriff ‚Versiegelung‘ umfasst dabei alle anthropogenen ober- und unterirdischen baulichen und nutzungsbedingten Veränderungen, wie Bauwerke für Siedlung und Verkehr, Versorgungsinfrastruktur (Kanäle, Leitungen), Fundamente sowie Bereiche starker Bodenverdichtung.

Abb. 1: Teilentsiegelte Parkflächen (Bildquelle: Matthias Mann/ThINK)

Abb. 1: Teilentsiegelte Parkflächen

(Bildquelle: Matthias Mann/ThINK)

Flächenversiegelung schneidet den betroffenen Boden vom Ökosystem ab. Damit entfällt für den Menschen neben vielen weiteren wertvollen Leistungen und Funktionen des Bodens auch sein Beitrag zur natürlichen hydrologischen Situation, d. h. Grundwasserneubildung, Aufnahme, Speicherung, Versickerung und Verdunstung von Niederschlagswasser. Der Verlust der Verdunstungsleistung ist in sommerlich überwärmten Siedlungen besonders spürbar. Versiegelte, d. h. nicht verdunstungsaktive Flächen, wandeln die eintreffende Strahlungsenergie je nach ihrer Albedo (Rückstrahlvermögen) in fühlbare Wärme um. Nur partiell oder komplett entsiegelte Flächen können Wasser aufnehmen und verdunsten. Diese (teil-)entsiegelten Flächen reduzieren die Energie, welche für die Aufheizung des Materials zur Verfügung steht, um den Energiebetrag, der für die Verdunstung umgewandelt wird – die Wärmebelastung sinkt! Der Anteil verdunstungsaktiver Flächen sollte folglich im Siedlungsraum erhöht werden. Gleichzeitig werden Kanalisation und Klärwerke bei Starkregenereignissen durch Pufferung entlastet, wodurch die Überschwemmungsgefahr sinkt.

Kommunen sollten sich zum Ziel setzen, Versiegelung bei Neubauvorhaben und Sanierungen generell auf ein Mindestmaß zu begrenzen bzw. rückzubauen  und notwendige Bodenverschlüsse direkt vor Ort z. T. wieder auszugleichen (z. B. durch Dachbegrünung und entsprechende Pflasterungen/Beläge). Dies kann im Rahmen von Bebauungsplänen oder über kommunale Satzungen und Vorschriften (z.B. Satzungen nach § 88 ThürBO) verbindlich festgesetzt werden. Weitere Steuerungsinstrumente sind naturschutzrechtliche Eingriffs-Ausgleichs-Regelungen, städtebauliche Verträge nach § 11 BauGB sowie finanzielle Anreize über die kommunale Niederschlagswassergebühr oder Gutschrift von Ökopunkten für freiwillige Entsiegelung.

Die bautechnische Umsetzung hängt dabei von der beabsichtigen Flächennutzung ab und ist ein Kompromiss zwischen Belastbarkeit bzw. erforderlichen Bodenlasten einerseits  und Entsiegelungsgrad bzw. Versickerungsleistung andererseits. Für schweren und häufigen Verkehr können z. B. Rasengittersteine oder Pflastersteine mit Fugenversickerung/Sickeröffnung verbaut werden (Abbildung 1 und 2). Für weniger schweren Verkehr und weniger starke Frequentierung eignen sich z. B. Porenpflastersteine, Kies- und Splittdecken sowie Schotterrasen. Wege für Fußgänger und Radfahrer können verdunstungsaktiv gestaltet werden, z. B. mit offenporigen Baustoffen (z. B. Drainasphalt), die Wasser versickern lassen, über eine undurchlässige Schicht im Untergrund speichern und wieder rückverdunsten. Flächen ohne Verkehrsbelastung, wie untergeordnete Fußwege, Terrassen und Gärten, können z. B. mit Holzpflaster aus Holzklötzen, Holzrosten und Rindenschrot gestaltet werden. Öffentliche oder private Frei- und Erholungsräume, wie Spielplätze und Innenhöfe ohne Parkplatznutzung, werden mit widerstandsfähigen Gräsern vollständig entsiegelt. Wo keine Entsiegelung möglich ist, reduzieren Baumaterialien mit hoher Rückstrahlung (z. B. helle Natursteine, Beton statt Asphalt) oder Beschattungen die Aufheizung der Fläche.

Siehe auch: Gutes Beispiel "Sanierung des Nikolaikirchhofs in Altenburg"

Kompromiss zwischen Grau und Grün (Bildquelle: Gabriele Jahn/ThINK)

Abb. 2: Kompromiss zwischen Grau und Grün

(Bildquelle: Gabriele Jahn/ThINK)

Förderung

Thüringen

- Richtlinie des Freistaats Thüringen zur Förderung von Klimaschutz- und Klimafolgenanpassungsmaßnahmen in Kommunen (KlimaInvest)

www.thueringen.de/th8/tmuen/energie/kommunen/klimainvest/index.aspx

ODER

www.aufbaubank.de/Foerderprogramme/Kommunale-Klimaschutzmassnahmen

 

- Städtebauförderung

www.thueringen.de/th9/tmil/bau/sw/staedtebau/

 

Ansprechpartner:

Thüringer Klimaagentur (www.thueringen.de/th8/klimaagentur/index.aspx)

Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur GmbH (ThEGA) (www.thega.de)
Die ThEGA hat sich im Rahmen des Projektes „Entwicklung von Klima-Adaptionsstrategien und
-technologien in Thüringen (KlimAdapTIT)“ teils vertiefend mit Möglichkeiten zur Hitzeprävention
auseinandergesetzt: www.thega.de/klimadaptit

Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (www.thueringen.de/th9/tmil/)

Thüringer Landesverwaltungsamt (www.thueringen.de/th3/tlvwa/index.aspx)

Thüringer Aufbaubank (www.aufbaubank.de)

weiterführende Informationen

IMPAKT

Integriertes Maßnahmenprogramm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Freistaat Thüringen - IMPAKT

 

KlimaInvest

Klima Invest - Kommunale Klimaschutz- und Klimafolgenanpassungsmaßnahmen

Thüringer Klimaagentur

Fachreferat des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz