Verbesserung der Standortbedingungen des Großgrüns

Hitzegeschädigter Baum (Bildquelle: Daniel Knopf/ThINK)

Abb. 1: Stadtbäume benötigen großzügige Baumscheiben und große darunterliegende Wurzelgruben

(Bildquelle: Daniel Knopf/ThINK)

Siedlungsräume stellen für Bäume häufig einen Extremstandort dar. Ihre Lebens- und Wachstumsbedingungen sind hier gegenüber naturnahen Standorten durch eine Vielzahl negativer Einflüsse geprägt, wie z. B:

  • höhere Schadstoffbelastung der Luft
  • Hitze durch überwärmte Flächen
  • Trockenheit durch hohen Versiegelungsgrad und zu kleinen Baumscheiben
  • weniger Wurzelraumvolumen
  • Bodenverdichtung
  • oberirdische Nutzungskonkurrenz, z. B. Verkehrsinfrastruktur
  • unterirdische Nutzungskonkurrenz, z. B. Rohre, Leitungen, Fundamente

Diese Stressfaktoren setzen die Vitalität der Bäume herab und schwächen deren Widerstandsfähigkeit gegenüber Schadorganismen. Die Bäume können ihre so wichtigen Ökosystemfunktionen (Beschattung, Verdunstungskühlung, Filterung der Luft etc.) nicht mehr vollumfänglich erfüllen und das kumulierte Risiko des Absterbens nimmt zu. Der Klimawandel trägt sein Übriges dazu bei – die Temperaturen werden weiter steigen und mit ihnen die Wärmebelastung im Siedlungsraum, das Auftreten neuartiger Schadorganismen wird befördert und Perioden mit Wassermangel werden künftig häufiger und langwieriger auftreten. Der ebenfalls tendenziell zunehmende Starkregen bringt oft nicht die gewünschte Entlastung, da verdichteter Boden zeitlich kompakte, große Wassermengen schlecht aufnehmen kann. Zudem fließen die Niederschläge im urbanen Raum durch die hohe Versiegelung größtenteils rasch über die Kanalisation ab. Extremere Stürme bedrohen Stadtbäume mit Windbruch und die Bevölkerung durch Windwurf.

Da Bäume eine Vielzahl bioklimatischer Wohlfahrtswirkungen, gerade im Hinblick auf die zunehmende Hitzebelastung erbringen, sollten Kommunen bestrebt sein, die Funktionsfähigkeit des Baumbestandes zu sichern und zu verbessern und die notwendigen Rahmenbedingungen zur Ausnutzung dieses Potenzials zu schaffen. Daraus ergeben sich vier Handlungsfelder:

Straßenbäume mit Mehrwert (Bildquelle: Gabriele Jahn/ThINK)

Abb. 2: Straßenbäume mit Mehrwert

(Bildquelle: Gabriele Jahn/ThINK)

Planungsrechtliche Sicherung des Baumbestandes, z. B. mittels:

  • kommunaler Satzungen und Vorschriften (Baumschutzsatzung etc.)
  • der gängigen Instrumente der Bauleit- und Landschaftsplanung
  • gesetzlicher Naturschutzvorgaben
  • naturschutzrechtlicher Eingriffs-Ausgleichs-Regelungen und
  • baumerhaltender/-fördernder Bedingungen in städtebaulichen Verträgen nach §11 BauGB.

Kommunen sollten alle Instrumente ausschöpfen und sich ggf. mit planerischer Weitsicht den aktuellen und zukünftigen Entwicklungen und Erfordernissen anpassen.

Das Artenspektrum und die Standortbedingungen müssen optimiert und an die klimatische Entwicklung angepasst werden. Dazu gehören eine standortgerechte Gehölzauswahl sowie eine Überprüfung und Aktualisierung des Artenbestandes bei Ausfällen und Neupflanzungen.

Des Weiteren sollte auf eine Optimierung der Lebensbedingungen des Großgrüns hingewirkt und hinsichtlich der bestehenden und zukünftigen klimatischen Herausforderungen angepasst werden. Das beinhaltet Verbesserungen bei der Substratwahl und dem Verdichtungsschutz, die Vergrößerung der Pflanzgruben, das Freihalten der Wurzelraumkorridore von Leitungen sowie eine Optimierung des Bewässerungsmanagements und die Etablierung einer nachhaltigen Baumpflege.

Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit fördert die Akzeptanz und den Umgang mit Stadtbäumen und kann den Erfolg der kommunalen Bemühungen unterstützen. Eine Option ist die grüne Nachbarschaftshilfe (z. B. Baumpatenschaften, Hand-in-Hand-Bewässerungsinitiativen).

Förderung

Thüringen

- Richtlinie des Freistaats Thüringen zur Förderung von Klimaschutz- und Klimafolgenanpassungsmaßnahmen in Kommunen (KlimaInvest)

www.thueringen.de/th8/tmuen/energie/kommunen/klimainvest/index.aspx

ODER

www.aufbaubank.de/Foerderprogramme/Kommunale-Klimaschutzmassnahmen

 

- Städtebauförderung

www.thueringen.de/th9/tmil/bau/sw/staedtebau/

 

Bund

- Förderung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel (Projektträger Zukunft-Umwelt-Gesellschaft (ZUG) gGmbH)

www.bmu.de/download/foerderprogramm-fuer-massnahmen-zur-anpassung-an-den-klimawandel/

Ansprechpartner:

Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur GmbH (ThEGA) (www.thega.de)
Die ThEGA hat sich im Rahmen des Projektes „Entwicklung von Klima-Adaptionsstrategien und
-technologien in Thüringen (KlimAdapTIT)“ teils vertiefend mit Möglichkeiten zur Hitzeprävention
auseinandergesetzt: www.thega.de/klimadaptit

Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (www.thueringen.de/th9/tmil/)

Thüringer Landesverwaltungsamt (www.thueringen.de/th3/tlvwa/index.aspx)

Thüringer Aufbaubank (www.aufbaubank.de)

weiterführende Informationen

IMPAKT

Integriertes Maßnahmenprogramm zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Freistaat Thüringen - IMPAKT

 

KlimaInvest

Klima Invest - Kommunale Klimaschutz- und Klimafolgenanpassungsmaßnahmen

Thüringer Klimaagentur

Fachreferat des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz